Alltagsprobleme                        Häufige Erkrankungen 

Blick in die Zukunft

Mit Schlagzeilen wie „Können Blinde bald wieder sehen“ oder ähnliche Meldungen wird in den Betroffenen eine Hoffnung geweckt, die sich in den nächsten Jahren wohl kaum erfüllen lässt.

Aber auch wenn ein Sehen, wie wir es kennen, in unmittelbarer Zeit nicht möglich sein wird, lassen die momentanen Forschungsergebnisse zumindest hoffen, dass ein winzig kleiner Schritt in diese Richtung zumindest langsam angegangen wird. Experimentell ist es auch in Deutschland immerhin tatsächlich schon gelungen, sog. Sehprothesen herzustellen, die ein Erkennen des Tag/Nachtzyklus (Hell/Dunkel) sowie die Wahrnehmung großer Gegenstände möglich machen. Somit dürfte wohl immerhin eine Orientierung in einem Raum möglich sein. In den USA wurden bereits Implantate beim Menschen erfolgreich eingesetzt. Und mittlerweile haben auch in Deutschland dier ersten
Studien mit lernfähigen Retina-Implantaten begonnen (s. weiter unten).

Seit 1995 arbeiten in Deutschland zwei Forscherteams, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und  Forschung , an der Entwicklung einer Sehprothese für Blinde. Hierbei handelt es sich um das SUB-RET Projekt (subretinal, also unter der Netzhaut) unter der Leitung von Eberhard Zrenner (Universitätsaugenklinik Tübingen)  sowie um das EPI-RET Projekt (epiretinal = auf der Netzhaut), welches von Rolf Eckmiller (Institut für Neuroinformatik in Bonn) geleitet wird. Mittlerweile sind viele Kliniken, Fördervereine und Unternehmen in ganz Deutschland an der Entwicklung eines Retina-Implantats involviert.

Das SUB-RET Projekt

Beim SUB-RET Projekt werden Mikrophotodioden unter die Netzhaut (Retina) implantiert. Diese tausende von  mikroskopisch kleinen  Photodioden sollen die degenerierten  Sehzellen der Netzhaut ersetzen. Diese Folie wandelt das einfallende Licht in Spannungsimpulse um und stimuliert die noch verbleibenden Zellen der Retina. 

Das EPI-RET Projekt

Erste Studien haben bereits an vier Kliniken in Deutschland und Österreich begonnen.

Im EPI-RET Projekt hingegen soll eine Mikrokontaktfolie auf die  Netzhaut befestigt werden. Diese soll dann die retinalen Zellen stimulieren. Hierbei fängt eine in einer Brille integrierte Kamera die Bilder auf und wandelt sie außerhalb des Auges mittels eines lernfähigen Encoders in Computersprache um. Diese "Bilder" werden dann drahtlos in Form elektromagnetischer Wellen an diese Folie gesendet. Die elektromagnetischen Wellen werden aufgeteilt in Energie für die Stromversorgung des Implantats sowie in Informationen, welche dann über die Ganglienzellen an den Sehnerv weitergeleitet werden sollen.

Hoffnungsvolle Perspektiven (?)

Eine kleine Hoffnung für Blinde besteht auch darin, dass eine Art Wettrennen der Produktentwicklungen stattgefunden hat. Waren es bei der größten einschlägigen Fachtagung in Florida, ARVO (Association for Research in Vision and Ophthalmology), im Jahre 2001 noch 8 Retina-Implantat Präsentationen, so waren es im Mai 2002 bereits 44.

Im Februar 2002 wurde dem ersten Retinitis-Pigmentosa Patienten ein Implantat epiretinal  dauerhaft auf der Netzhaut befestigt. Dieser kleine Meilenstein des Fortschritts im Bereich der Sehprothesen wurde an der Keck School of Medicine, University of Southern California, von Mark Humayun vollbracht.

Auch  in Deutschland ist es nun so weit. Lt. IIP-Technologies haben soeben an vier Kliniken in Deutschland und in Österreich die ersten Studien des lernfähigen Retina Implants begonnen. (Hamburg, Essen, Köln und Wien). Hierbei handelt es sich um eine Kurzzeitstudie bzw. Akutstudie. D. h. für einen Zeitraum von ca. 30 bis 45 Minuten wird eine flexible Kontaktfolie auf die Netzhaut gelegt und danach wieder entfernt. Dies ist die weltweit erste Studie, die systematisch die Netzhaut von  RP-Patienten elektrisch stimuliert und an mehreren Kliniken testet.

Ebenso konnten in einer Pilotstudie bereits 6 Menschen Retina-Implantate subretinal mit Erfog eingesetzt werden.

Die subretinalen Implantate wurden von den Brüdern Vincent und Alan Chow entwickelt. Die Patienten wurden noch 6 Monate nach dem Eingriff beobachtet. 

Die Ergebnisse reichten von der Erkennung Hell/Dunkel und dem Wahrnehmen großer Objekte bis hin zum Sehen des eigenes Spiegelbildes (bei einem 59-jährigen Patienten). 

Nach Aussagen von Alan Chow kann in etwa fünf Jahren mit einer Markteinführung des Implantates gerechnet werden.

Außer den bisherigen Ergebnissen in der Neurotechnologie werden natürlich auch Hoffnungen in die Gentechnologie gesetzt.

Auch hier geben einige Erfolge in ferner Zukunft Anlass zur Hoffnung.  Wissenschaftlern der Universitäts-
Augenklinik Heidelberg ist es in einem Experiment gelungen, Netzhautzellen aus der Peripherie in die Makula zu transplantieren. Vor allen Dingen sollen Patienten mit der feuchten Form der AMD davon profitieren können.

Ebenso konnten Ärzte einer fast erblindeten Frau durch eine Transplantation von fetalem Retinagewebe die Sehstärtke erheblich verbessern. Sie litt an der Netzhautdegeneration Retinopathia pigmentosa. Lt. Dr. Robert Aramant von der Universität Louisville im US-Staat Kentucky wurden auf diese Weise ebenfalls sechs weitere Patienten erfolgreich behandelt.

Dann bleibt nur noch zu hoffen, dass die Erfolgsmeldungen weiter zunehmen werden und den Investoren die finanziellen Mittel nicht auszugehen drohen. 

Wenn auch vielen Blinden in der heutigen Zeit ein Sehen verwehrt bleiben wird, für die nächste Generation sehen die Aussichten sicherlich rosiger aus. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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